Burgenlands Best, Interview

Die Fritz Mühle: Hundert Jahre Kürbiskernöl

Kürbiskernöl

Die Fritz-Ölmühle ist eine der wenigen noch in Betrieb stehenden Mühlen, in der seit über 100 Jahren Kürbiskernöl hergestellt wird. Und das noch auf die traditionelle Art. Mit Steinmühle und in Handarbeit, am Stadtrand von Rudersdorf, im sonnigen Südburgenland.

Wolfgang Hartinger

Betriebsleiter Wolfgang Hartinger

Wir waren zu Besuch bei Wolfgang Hartinger und seinem Team und haben uns selbst von der Mühle überzeugt! Unser Fazit: alle Daumen hoch! Qualitativ hochwertiges Kernöl, einzigartiger Geschmack, tolles Team & einladende Atmosphäre. Wie es sich eben gehört, für eine über hundert Jahre alte Mühle im schönen Burgenland.

Der Betriebsleiter der Mühle, Wolfgang Hartinger, hat uns einen Einblick gegeben, über seinen Alltag in der Mühle, wie Kernöl hergestellt wird und was die Fritz-Mühle so besonders macht! Auch ein paar Kürbiskernöl-Tipps konnten wir dem Experten entlocken. Und dabei hatten wir auch einiges zu lachen – denn in der Fritz-Mühle wird es nie langweilig.

Als Einstieg etwas leichtes: Beschreibe die Fritz-Mühle in drei Worten?

Wolfgang: Qualität, Standhaftigkeit, Zufriedenheit – machen wir vier draus (lacht) – und Vertrauen.

Das ging ja schnell. Dein Betrieb hat ja sehr viel zu bieten. Auf was bist du denn besonders stolz?

Wolfgang: Wir, also das gesamte Team sind besonders stolz auf die Qualität unseres Kernöls. Denn das wird noch in reinster Handarbeit hergestellt. Das hat ja heutzutage schon einen Seltenheitswert. Besonders stolz sind wir auch auf unsere alte Steinmühle, mit der bereits seit etwa 100 Jahren Kürbiskernöl hergestellt wird.

Die Leute kommen dann schon gezielt zu uns und fragen nach dem Kernöl von der alten Mühle. Wir sind ein Betrieb, der das alte Handwerk noch beherrscht und auch noch im Alltagsgeschäft anwendet. Dass haben wir uns von den älteren Generationen anlernen lassen, das heißt angefangen vom Vermahlen der Kürbiskerne bis zum Steine klopfen, dem Kneten und Rösten. Das alles passiert im alten Verfahren, also wirklich noch auf die alte Art, die nun auch schon fast hundert Jahre alt ist. Alles Handwerk! Am Ende Tages produzieren wir also mit zwei unterschiedlichen Verfahren. Das ist nämlich auch eine unserer Kernkompetenzen, denn das Kürbiskernöl aus der Steinmühle wird auch extra vermarktet.

Woher kommen eigentlich die Kürbiskerne für euer Kernöl?

Kürbiskerne

Kürbiskerne © Christina Zagorschak

Wolfgang: Wir haben Verträge mit ca. 30 Kürbiskernbauern aus der Umgebung. Die meisten Kürbiskerne kommen aus der Steiermark, da wir ja sozusagen nur „einmal Umfallen“ von unserem Nachbarbundesland entfernt sind. Aber auch aus Niederösterreich und selbstverständlich von Bauern aus dem Burgenland beziehen wir unsere Kürbiskerne. Aus diesen wird dann unser Kernöl hergestellt. Das Besondere daran ist, dass wir bei jedem Liter Kürbiskernöl den wir abfüllen auch wissen, von welchem Bauern wir die Kürbiskerne dafür bezogen haben.

Aber wir haben natürlich auch Presskunden, also Kunden für die wir nur das Kürbiskernöl herstellen. Diese kommen aus halb Österreich und den Nachbarländern. Beispielsweise kamen sogar schon Bauern aus Tschechien oder Slowenien, um bei uns ihr Kernöl pressen zu lassen.

Da habt ihr bestimmt so einiges zu tun. Wie sieht denn ein ganz normaler Tag in der Fritz-Mühle bei dir aus?

Wolfgang: Der Arbeitstag schaut so aus, dass in aller Früh als erstes die Maschinen eingeschalten werden, sprich der Ofen wird eingeheizt. Dann kommen bereits die ersten Bauern mit ihren Kürbiskernen, die werden nämlich in der Früh frisch angeliefert. Das läuft so ab, dass vorab ein Termin ausgemacht wird, ein bisschen wie beim Zahnarzt (lacht) und der Bauer bringt dann die Kürbiskerne am Morgen vorbei. Diese werden dann abgewogen, gepresst und der Bauer bekommt das Öl von seinen Kürbiskernen anschließend wieder retour.

Diese Frage hörst du bestimmt öfters. Wie wird Kürbiskernöl eigentlich hergestellt?

Wolfgang: Ja die Frage kommt öfters (lacht). Aber ich erkläre den Prozess immer wieder gerne. Zuerst kommen die Kürbiskerne in die Reinigung, dann in die Mühle und in die Knetung. Anschließend werden sie eine halbe Stunde lang bei 90-100 °C geröstet. Und nach dem Rösten kommen sie in die Presse, wo dann schlussendlich das Öl, so wie man es kennt, entsteht.

Gesamt sind wir fünf Mitarbeiter im Betrieb und zu zweit wird immer gepresst. Zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Da machen wir dann teilweise Schichtbetrieb. Die ersten fangen bereits um sechs Uhr an und am Abend dann je nachdem, bis man eben fertig ist. Da kann es dann schon mal passieren, dass es auch etwas länger dauert (lacht).

So werden am Tag also ungefähr 1.500-2.000 kg Kürbiskerne verarbeitet. Und wenn man rechnet, dass ca. 2,5 kg pro Liter Öl benötigt werden, sind das am Ende des Tages in etwa 500-800 Liter Kürbiskernöl. Also schon eine beachtliche Menge (lacht).

Und was gefällt dir an deinem Job am besten?

Wolfgang: Die Flexibilität. Ich bin beim rösten dabei, beim Verkauf, der Auslieferung, der Gestaltung und auch bei Messen in ganz Österreich vertreten. Mein Programm ist komplett durchgemischt. Da gibt’s nix zum langweilig werden (lacht) und genau das macht mir am meisten Spaß. Überall dabei zu sein.

Auch dein Mitarbeiter David, der vor 3 Jahren bei dir im Betrieb begonnen hat, hat uns erzählt, worum ihm sein Job gefällt. Er meinte, weil er ein Teil eines Teams ist. Und auch die Herstellung eines Qualitätsproduktes macht ihn besonders stolz und viel Freude.

Wolfgang: Das hätte ich nicht besser sagen können (lacht).

Sehr schöne Worte, und zu hören, dass es nie langweilig wird. Da gibt es bestimmt ein paar lustige Geschichten zu erzählen?

Wolfgang: Ein paar lustige Geschichten gibt es da schon (lacht). Wenn zum Beispiel die Bauern kommen und warten bis ihr Öl fertig gepresst und abgefüllt ist, dann kann es schon mal passieren, dass der ein oder andere verschläft. Trotz Lärm. Oder auch wenn Schul- und Kindergartengruppen uns besuchen kommen gibt es immer wieder viel zu lachen. Auch mit den Seniorengruppen, die einen Ausflug zu uns machen haben wir immer großen Spaß. Wir machen nämlich auch Führungen wo die Leute sich die Mühle anschauen können. Spaziergeher, die bei der Mühle vorbekommen können auch so jederzeit einen Blick in die Mühle werfen und uns bei der Arbeit zusehen und auch unsere Produkte verkosten. Und dabei trifft man eben so viele unterschiedliche Menschen, das ist immer ein Spaß.

Das Team der Fritz-Mühle

Das Team der Fritz Mühle in Rudersdorf

Hast du für diese auch immer einen persönlichen Kürbiskernöl Geheimtipp?

Wolfgang: Nicht nur einen (lacht). Also ganz wichtig ist, dass Kürbiskernöl auf jeden Fall rein lassen, am besten nichts hinzumischen. Auch nicht zu viel Essig beimengen, denn je mehr Essig, umso mehr verblasst der Kernölgeschmack.

Das ist aber auch immer Geschmackssache. Ganz wichtig ist noch, dass man das Kernöl nicht zu kalt lagert. Denn je kälter das Öl, je weniger Geschmack hat es. Am besten also bei Zimmertemperatur aufbewahren.

Auch du bist bestimmt ein großer Kernöl-Fan! Was ist denn dein Lieblings-Kürbiskernprodukt?

Wolfgang: Das bin ich auf jeden Fall. Ich mag die Knabberkerne am liebsten. Egal ob naturbelassen, gesalzen oder mit Schokolade.

Die sind bestimmt lecker. Und für die Zukunft – was wünschst du dir?

Wolfgang: Nur gutes (lacht). Also das die Geschäfte weiterhin so blühen und das es uns weiterhin so gut geht wie jetzt und das wir weiterhin so gut zusammenarbeiten. Weil genau das ist mir besonders wichtig im Betrieb. Denn wenn du zusammenhältst und zusammenarbeitest, dann funktioniert das Ganze auch. Und dass es immer genug Kürbiskerne gibt natürlich (lacht).

Das Team der Fritz-Mühle in Rudersdorf

(von links: David Rath, Ingrid Winter, Wolfgang Hartinger, Gerald Flasch, Herbert Bauer)

 

FRITZ MÜHLE
Am Mühlengrund 1a | 7571 Rudersdorf
Betriebsleiter: Wolfgang Hartinger
Tel.: +43 3382/71649 | Fax: DW 4
Email: kuerbis@fritzmuehle.at | Web: www.fritzmuehle.at

 

Fotos: © Christina Zagorschak

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