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Bio-Honig – und was Bienen noch alles können

Bienen am Biohof Katona

Da sind sie wieder – die guten alten Wachstücher, in die man schon früher Lebensmittel eingewickelt hat, sind dank der No Plastic Bewegung wieder ein Renner. Die Bio-Imker Bernd und Christine Katona aus Lockenhaus wissen, welche Vielfalt uns die Bienen – neben süßem Bio-Honig – schenken.

Lockenhaus ist ein ideales Gebiet, um Bio-Imkerei zu betreiben. Im südlichen Burgenland liegt es unterhalb der imposanten Templerburg, an einem bewaldeten Hügel. Gleich dahinter erstreckt sich der wunderbare, grenzüberschreitende Naturpark Geschriebenstein. Die Katonas sind hier bei weitem nicht die einzigen Bio-Landwirte – was könnte ihren Bienen besseres passieren, als giftfreie Felder rundherum? Denn Bienen schaffen Flugdistanzen bis zu 5 Kilometer weit!

80.000 Bienen und zwei ImkerInnen

In der fünften Generation führt Bernd Katona seinen Betrieb nun, den er vom Onkel übernommen hat. Die Liebe zu den Bienen teilt er mit seiner Frau Christine.

Schon im eigenen Garten stehen die ersten Bienenstöcke, die anderen sind an verschiedenen Standorten verteilt. So kommt der Honig zu seinem Namen: Auwald, Graben, Hinteres Kreut. Bio-Honig aus Wald und Wiese.

Der Unterschied zur herkömmlichen Imkerei zeigt sich schon ganz am Anfang des Imkerjahres: um ihre Waben zu bauen, bekommen Katonas Bienen ein Stück natürliche Wabe in einen Rahmen, an dem die Bienen weiterbauen. Schon so wird vermieden, dass künstliches Wachs in den Stock kommt. An nur einem Tag bauen die fleißigen Tiere so einen Rahmen, von denen sich ein gutes Dutzend in einem Stock befinden, aus.

Ganz 3 Kilo Honig kann so ein Bienenvolk, das aus etwa 80.000 Bienen besteht, produzieren – am Tag wohlgemerkt! Zwei Mal im Jahr schleudern die Bio-Imker den Honig – und nehmen den Bienen dabei nur einen Teil weg. Schließlich sollen sie sich von ihren eigene Vorräten, und nicht von Zuckerwasser ernähren, wenn es kalt wird. 15 – 20 Kilo Honig kann Bernd Katona aus einem Stock im Jahr gewinnen.

Bio-Honig, Wachs & Propolis

Neben dem Bio-Honig ist auch das Wachs ein spannendes Produkt. Es wird nur von den jüngsten Bienen produziert. Versiegt die Wachsproduktion, entwickelt sich das Gift im Stachel, sie transformieren zu Wächterbienen. Und später dann zu Sammelbienen. Wobei es auch unter den Sammelbienen im komplexen Bienenstaat eine Arbeitsteilung gibt: Es gibt Tiere zum Sammeln von Wasser, Pollen, Nektar und Propolis. Der Honig entsteht im Körper der Bienen selbst, wo die Pollen und der Nektar mit Enzymen, Eiweißstoffen und Säuren angereichert werden – und das mehrmals. In unzähligen Arbeitsschritten wird der Honig im Stock eingedickt und schließlich, wenn er fertig ist, mit Wachs verschlossen. Nun ist er erntereif!

Apitherapie: Bio-Honig als Heilmittel

Dass Honig nicht nur das natürlichste Süßungsmittel ist, sondern auch heilende Eigenschaften hat, ist schon seit der Antike bekannt. Die Anwendung von Bienenprodukten wie Honig, Propolis, Bienenwachs oder Bienengift zu Heilzwecken wird als Apitherapie bezeichnet.

Die Katonas haben noch ein spezielles Angebot: Bei ihnen kann man Luft aus dem Bienenstock inhalieren. Diese Therapie nennt sich Stockluftatmen. Dazu haben sie ein hölzernes Saunafass adaptiert, in das die heilsame Luft aus dem Bienenstock geleitet wird. Mit ihr werden die Wirkstoffe von Nektar, Pollen, Propolis, Wachs und Honig mittransportiert. Das kann bei Lungenbeschwerden, aber auch Nebenhöhlenentzündungen, Schlaflosigkeit und Infektanfälligkeit helfen.

Auch Propolis hat faszinierende Eigenschaften. Nach der Sommersonnenwende beginnen die Bienen, ihren Stock damit zu schützen. Propolis, auch Bienenharz genannt, ist ein zähflüssiges Gemisch, mit dem die Bienen die Fluglöcher ihrer Stöcke behandeln. Es wirkt antibiotisch, antiviral und antimykotisch und hält Viren, Pilze und Bakterien aus dem Stock fern. Und das leistet Propolis auch für die menschliche Gesundheit.

Das Ausgangsmaterial von Propolis ist Harz, das die Honigbienen von Birken, Buchen, Fichten, Pappeln und Erlen sammeln. Hinzu kommen Wachs, Pollen und ätherische Öle aus den Blüten.

Gelée Royale ist das geheimnisvollste Elixier eines Bienenstaates: nur durch die Ernährung mit diesem wird aus einer Biene eine Königin, ohne die kein Bienenvolk existieren würde. Doch als naturnaher Imker überlässt Bernd Katona diesen hochpotenten Wirkstoff lieber seinen Bienenvölkern.

Marktstandlerei mit Bio-Bienen

Das Marktstandl zeigt dann die ganze Bandbreite an Produkten: Es gibt grob gesiebten Bio-Honig mit Pollen, in hübsche Rex-Gläsern abgefüllt. Hanfhonig und triefenden Honig, noch in den wachsigen Waben, so wie Winnie Puh ihn geliebt hat. Pflegenden Lippenbalsam aus Bienenwachs, Propolistropfen und Propoliscreme und noch einige andere außergewöhnliche Dinge kommen aus dem Wald der Katonas: Birkenwasser, direkt aus dem Baum im Frühling entnommen, und Wipferlsirup gegen Husten. Eine exklusive Spezialität ist auch das Blütenpollensalz.

Heiß begehrt sind momentan die Wachstücher, die Christine Katona aus dem selbst gewonnenen Bienenwachs und Harz aus dem eigenen Wald herstellt. Feine Baumwollmusselin-Tücher – ganz burgenländisch auch im Blaudruck – werden mit der Mischung bestrichen. Dies verleiht den Tüchern nicht nur eine geschmeidige, biegsame Konsistenz, sondern auch eine antibakterielle Wirkung. Man merkt es an Lebensmitteln, die man darin einwickelt – sie halten deutlich länger. Schimmel kann sich in diesem Umfeld gar nicht erst bilden. Wärmt man das Tuch ein wenig in den Händen an, kann man die Enden gut zusammendrücken und verschließen, so dass man es auch für Jausen verwenden kann. Die Bienenwachstücher lassen sich gut reinigen und sind über Monate verwendbar.

Schließlich hat auch schon Opas Rucksack aus gewachstem Tuch ein ganzes Leben lang überdauert!

Erhältlich sind die Bio-Imkerei Produkte Ab-Hof und auf verschiedenen Bauernmärkten in der Region.

Biohof Katona
Waldgasse 2
7442 Lockenhaus
T: +43 664 3204445
www.biohof-katona.at

Fotos: Sigrid Weiß